Leider gibt es kaum Neuigkeiten, über die wir berichten können, starteten wir einen privaten Aufruf. Der Erste, der sich meldete, war jemand, mit dem wir nicht gerechnet haben. Er ist schon seit Jahren auf unserer Wunschliste ganz oben: Fabian Kratz. Ausnahmejugendspieler und Hall of Fame Mitglied der Greenmachine, der O-Liner, den 17 College US-Universitäten haben wollten. 

Persönlich haben wir ihn im August 2016 bei dem WDGT Camp von Steve Tank und Christian Mohr kennen und schätzen gelernt. Einer Großer auf dem Platz, aber dabei sehr bodenständig, freundlich und hilfsbereit – einfach ein netter Kerl. In der Vorbereitung auf unser Interview wurde schnell klar: Es gibt eher Stoff für ein Buch. Daher wollen wir uns auf ein paar Dinge konzentrieren. 

Fabian Kratz: Ausnahmejugendspieler und Hall of Fame Mitglied der Greenmachine, der O-Liner, den 17 College US-Universitäten haben wollten. (Foto: Werner Doubleuerner Thorenz)Fabian Kratz: Ausnahmejugendspieler und Hall of Fame Mitglied der Greenmachine, der O-Liner, den 17 College US-Universitäten haben wollten. (Foto: Werner Doubleuerner Thorenz)

Oliver von NRW Football: Hallo Fabian, vielen Dank für deine Zeit! Fabian, lass uns einmal einen Blick zurückwerfen: wie bist du zum American Football gekommen?
Fabian Kratz:  Das ist eigentlich eine ganz lustige Geschichte, denn ich hatte ein Leben lang als kleiner dicker Junge Fußball gespielt. In der 5. Klasse hat mich ein Klassenkamerad mit zum Football-Training geschleppt. Das war damals bei den Cologne Falcons. Das hat mir so gut gefallen, anderen Leuten weh zutuen ohne dass ich dafür Ärger bekomme (lacht). Insgesamt hat es mir sehr viel Spaß gemacht und so bin ich dabeigeblieben. Schon nach meiner ersten Saison bin ich in die U12 NRW-Auswahl gekommen. Schön waren die Fahrten mit der Greenmachine nach Wien und Texas. Auch in den Kader der Nationalmannschaft habe ich es häufiger geschafft, aber leider haben mich Verletzungen zurückgeschmissen. Später besuchte in  den USA die Naperville Central High School. Dort war ich sehr, sehr erfolgreich. Dann ging es richtig los, als die Coaches mein Talent erkannt haben und mein Highlight Tape an Unis verschickten. Die Resonanz war riesig. In dem Jahr habe ich sehr intensiv an mir gearbeitet und wurde immer besser und schneller. Das Ergebnis waren 17 Angebote von verschiedenen Universitäten.
 
 
Oliver: Wahnsinn! Aber warum bist du dann nicht in den USA geblieben und hast dir ein College ausgesucht?
Fabian: Die Kurzform ist, obwohl mir es keiner auch bis heute nicht so richtig erklären kann: Auf der High-School konnte bzw. durfte ich nicht meinen Abschluss machen. Zwar gab es die Möglichkeit den Abschluss auf einem Internat in Connecticut zu erwerben, aber ich habe mich dagegen entschieden. 
 
Oliver: Auch wenn es nicht so gelaufen ist, wie du es gewollt hast, würdest du es noch einmal so machen?
Fabian: Auf jeden Fall! Ein High-School Gameday ist ein geiles Erlebnis! Gerade ein Jahr High School ist für einen Footballer eine gute Entscheidung. Wer sich für das College entscheidet, sollte sich im Klaren sein, dass das ein Job ist. Dann lebst du den Sport und wenn du keine Disziplin an den Tag legst, dann wird du schnell „hinfallen“ und keinen Erfolg haben. Das ist viel Arbeit und ich ziehe meinen Hut vor jedem, der das vier bis fünf Jahre macht und sein Studium noch gut abschließt. Aber der Weg in die NFL muss nicht zwingend über das College gehen, klar sind da die Chancen höher, aber ein Moritz Böhringer hat gezeigt, dass es auch anders geht. 
 
Oliver: Football hat in den USA auch im Jahr 2020 stattgefunden. Wie traurig bist du, wenn du Spiele sehen konntest und für dich keine Saison war?
Fabian: Gut, dass du so fragst, gar nicht mal so traurig.
Oliver: Was? Wieso denn das?
Fabian: Im Jahr 2019 bei meinem letzten Spiel ist irgendwas mit meiner Hüfte passiert. Das hat jetzt fünf-sechs Monate Physiotherapie und Reha gebraucht, bis der Schmerz weg war. Keiner konnte eine genaue Diagnose stellen, es war eine muskuläre Verhärtung, die verschwand und wieder kam. Das Problem habe ich erst seit drei Monaten in den Griff bekommen. Dabei hat mir geholfen, dass ich auch andere Anteile wie Yoga und Reiten in mein Training integriert habe. 
 
Oliver: Wenn ich es richtig verfolgt habe, dann bist du von der O-Line in die D-Line gewechselt. Wie geht es mit dir in diesem Jahr weiter? 
Fabian: Ja, ich habe Defense End gespielt. In der ersten Mannschaft der Falcons habe ich im Jahr 2019 jedoch in der O-Line ausgeholfen. Was ich spiele, das hängt davon ab, wo ich spiele. Leider kann ich noch keine weiteren Angaben machen, aber ich denke, ich spiele wieder in der O-Line. Und wo, lass dich überraschen!
 
Oliver: Okay, dann lass uns wage bleiben. Wie ist deine Meinung zum Ligabetrieb?
Fabian: Ich kann es nicht sagen, das ist alles in der Schwebe. Einen Spielbetrieb in der GFL halte ich für wahrscheinlich, einen Spielbetrieb in der Landesliga für unwahrscheinlich. Was ich aber denke, bei dem Aufwand, der von der ELF betrieben wird, werden dort Gamedays stattfinden. 
 
Oliver: Da ich im letzten Jahr komplett daneben lag, halte ich mich lieber zurück. Ich gebe dir aber Recht, auch ich sehe Spiele mindestens in der ELF. Kommen wir zu einem meiner Lieblingsthemen: wie kann man das Leistungsniveau im American Football verbessern. Was sind die größten Unterschiede zu einem Coach hierzulande und in den USA?
Fabian: Das geht los bei den Grundlagen und geht weiter bei der Spielvor- und Nachbereitung. Was viel mehr in den USA gemacht ist die Videoanalyse. Die Trainingseinheiten werden gefilmt und im Nachgang besprochen. Erst hier siehst du deine Fehler und kannst an ihnen arbeiten. Das was sich hier etablieren sollte sind „Satellite Camps“, bei denen Spieler aus den verschiedenen Winkeln des Landes zusammenkommen und trainieren. Das schafft Abwechslung und bringt noch mehr Erfahrung. Dabei darf man aber nicht vergessen, es wird in der Woche fünf bis sechs Male trainiert, wenn du Videoanalyse dazu nimmst. 
 
Oliver: Was denkst du, wie lange kannst noch spielen? 
Fabian: Ich bin jetzt 22 Jahre und will noch 15 bis 16 Jahre spielen. Wie gesagt, ich habe mein Training umgestellt. Mit dem Reiten habe ich angefangen und mit Yoga, Krafttraining und Sprints runde ich mein Training ab. Ich bin jetzt so fit wie schon lange nicht mehr.
 
Oliver: ... und nach der aktiven Zeit? Du hast gute Ideen, kennst das Training aus dem Mutterland des Sports. Sehen wir dich als Coach an der Sideline?
Fabian: Ja, da sehe ich mich. Besonders im Bereich: Athletik, Kraft, Runninggame und O-Line Coach. Im letzten Jahr habe ich mit Alex Verbeeck die U16 der Falcons gecoacht. Alex war auch mein erster Trainer, er ist leider in den Norden gezogen.  
 
Oliver: Also Vereine aufgepasst, hier ist einer der Coaches von morgen. Schreibt ihn am an – wer die Kontaktdaten braucht, meldet sich bei uns. Super, dann habe ich nur noch eine Bitte. Was kannst du gerade den jungen Spielern an die Hand geben um vielleicht auch mal von 17 Unis umworben zu werden und vielleicht mal in der NFL auflaufen?
Fabian: Harte Arbeit schlägt alles! Damit auch mal das Thema „abwerben“ ein Ende nimmt, wenn du gut genug bist, dann ist es egal wo man spielt die finden einen! Du brauchst nicht bei Buxtehude XY spielen, du kannst bei dem Verein bleiben, wo du angefangen hast!

Das Interview mit Fabian Kratz führte Oliver Jungnitsch von NRW Football. Wer sich mit dem Gedanken trägt in die USA zu gehen und Tipps oder Kontakte sucht kann sich gerne bei Fabian melden. 

 

 

Übersetzung von Fabian:

 

Oliver from NRW Football: Hello Fabian, thank you very much for your time! Fabian, let's take a look back: how did you get into American football?
Fabian Kratz: That's actually quite a funny story, because I had played soccer all my life as a little fat boy. In the 5th grade, a classmate dragged me to football practice. That was with the Cologne Falcons at the time. I liked that so much, hurting other people without getting in trouble for it (laughs). Overall, I really enjoyed it, so I stuck with it. After my first season, I already made the U12 NRW selection. The trips with the Greenmachine to Vienna and Texas were great. I also made it to the national team squad more often, but unfortunately injuries set me back. Later I went to Naperville Central High School in the USA. There I was very, very successful. Then things really took off when coaches recognized my talent and sent out my highlight tape to unis. The response was huge. During that year, I worked very hard on myself and got better and faster. The result was 17 offers from different universities.
Oliver: Awesome! But then why didn't you stay in the U.S. and choose a college?
Fabian: The short version is, although no one can really explain it to me even to this day: I couldn't or wasn't allowed to graduate from high school. There was the possibility to get the degree at a boarding school in Connecticut, but I decided against it. 
Oliver: Even though it didn't work out the way you wanted, would you do it again?
Fabian: Definitely! A high school gameday is an awesome experience! Especially one year of high school is a good decision for a football player. If you decide to go to college, you should be aware that it's a job. Then you live the sport and if you don't have discipline, you will quickly "fall down" and not succeed. It's a lot of work and I take my hat off to anyone who does it for four to five years and still finishes their degree well. But the path to the NFL doesn't necessarily have to go through college, of course the chances are higher there, but Moritz Böhringer has shown that it can be done differently. 
Oliver: Football has also taken place in the USA in 2020. How sad are you when you could watch games and it wasn't a season for you?
Fabian: It's good that you ask like that, not even that sad.
Oliver: What? Why is that?
Fabian: In 2019 at my last game something happened with my hip. It took five-six months of physiotherapy and rehab until the pain was gone. No one could make an exact diagnosis, it was a muscular hardening that disappeared and came back. I have only been able to get the problem under control for three months. It helped that I also integrated other parts like yoga and horseback riding into my training. 
Oliver: If I followed it correctly, you moved from the O-Line to the D-Line. What's the next step for you this year? 
Fabian: Yes, I played defensive end. But on the Falcons first team, I helped out on the O-Line in 2019. What I play, it depends on where I play. Unfortunately, I can't give any more details yet, but I think I'll play on the O-Line again. And where, let me surprise you!
Oliver: Okay, then let's stay daring. What is your opinion about league play?
Fabian: I can't say, it's all up in the air. I think a game operation in the GFL is probable, a game operation in the Landesliga is unlikely. But what I think, with the effort that is made by the ELF, there will be gamedays there. 
Oliver: Since I was completely off the mark last year, I'd rather hold back. I agree with you though, I too see games at least in the ELF. Let's move on to one of my favorite topics: how to improve the performance level in American football. What are the biggest differences between coaching in this country and in the USA?
Fabian: It starts with the basics and continues with pre-game and post-game preparation. What is done much more in the USA is the video analysis. The training sessions are filmed and discussed afterwards. Only here you can see your mistakes and work on them. What should be established here are "satellite camps" where players from different corners of the country come together and train. This creates variety and gives you even more experience. But you have to remember that you train five or six times a week if you add video analysis. 
Oliver: How long do you think you can still play? 
Fabian: I'm 22 years old now and I want to play for another 15 to 16 years. As I said, I have changed my training. I started riding and I round out my training with yoga, strength training and sprints. I'm fitter now than I've been in a long time.
Oliver: ... and after the active time? You have good ideas, you know the training from the motherland of sports. Do we see you as a coach on the sideline?
Fabian: Yes, that's where I see myself. Especially in the area of: athletics, strength, running game and O-Line coach. Last year, I coached the Falcons' U16s with Alex Verbeeck. Alex was also my first coach, unfortunately he moved up north. 
Oliver: So clubs watch out, here is one of the coaches of tomorrow. Write to him on - who needs the contact details, get in touch with us. Great, then I have only one request. What can you give to the young players to be courted by 17 universities and maybe play in the NFL?
Fabian: Hard work beats everything! So that also times the topic "poach" takes an end, if you are good enough, then it does not matter where one plays the find one! You do not need to play at Buxtehude XY, you can stay at the club where you started!

 

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