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In dieser Zeit kann man nicht von einem normalen Training sprechen. Ungewöhnliche Zeiten erfordern ungewöhnliche Maßnahmen. Gerne wollen wir von positiven Beispielen in dieser schwierigen Zeit berichten und zum Mitmachen animieren. Auf unseren Aufruf hat sich Kai Patrick May, Head Coach von der U19 der Mülheim Shamrocks gemeldet. 

Kai Patrick May -  Head Coach von der U19 der Mülheim Shamrocks (Foto: Kay Kölbl)Kai Patrick May - Head Coach von der U19 der Mülheim Shamrocks (Foto: Kay Kölbl)

Kai ist nicht nur Trainer, sondern auch Spieler und Schiedsrichter und ist umgehend unserem Aufruf gefolgt. Bei den Shamrocks hat man gemeinsam an der Lösung des Problems gearbeitet und herausgekommen ist ein sehr gutes Konzept zur Überbrückung der unfreiwilligen Pause. Dabei entstand beispielsweise durch die Zusammenarbeit von Jugendkoordinator und Vorstand der Mülheim Shamrocks ein Trainingsplan für Einsteiger und Fortgeschrittene. Damit aber nicht genug, denn auch andere Teile werden in das Training eingebaut. Wie die Maßnahmen im Einzelnen ablaufen, schauen wir uns jetzt einmal genauer an. 

Viele Vereine nutzen die Unterstützung von Videomaterial, so auch die U19 der Shamrocks. Dazu erklärt uns Kai Patrick May, HC und OC des Teams: „Die Mülheim Shamrocks und in meinem speziellen Fall die U19, arbeiten mit Videotheorie und Onlinemeetings, um mit den Jungs am Ball zu bleiben.“ 

Dazu nutzen sie die besondere Plattform, wie er weiter erläutert: „Wir arbeiten mit der Plattform „zoom“. Das Tolle an dieser Plattform ist, dass die Jungs sie einfach von ihren Handys aus benutzen können und keine große Ausrüstung benötigen. Noch dazu ist sie kostenfrei für Vorträge bis zu 45 Minuten, danach startet man einfach eine neue Sitzung.“ 

Dabei greift Kai auch auf vorhandenes Videomaterial zurück. Kai berichtet weiter: „Wir haben bisher ein paar Trainingseinheiten, insbesondere die Plays, mit einer Drohne gefilmt und werten diese aus. Hier gehen wir mit den Spielern die Spielzüge einzeln durch.“ Dabei erklärt Kai das Verhalten der Defense in gewissen Situationen und warum sie welche Zonen attackieren sollen. Natürlich korrigiert Kai die Spieler in den Situationen, wenn sie etwas falsch gemacht haben. Damit aber nicht genug, Kai ergänzt: „Wir arbeiten unser Playbook weiter durch. Wir beantworten Fragen, die die Spieler zu einzelnen Aspekten noch haben. Das Ganze eignet sich super, um die Jungs mit dem Kopf in der Saison zu halten.“ 

Aber man kann noch mehr machen, denn auch die Fitness soll nicht zu kurz kommen. Kai erklärt uns hierzu: „Zusätzlich haben wir zwei „knackige“ Trainingspläne mit Erklärungen und Erläuterungen erstellt, die man gut zuhause durcharbeiten kann.“ Das Gute daran ist, es werden keine Gewichte oder ähnliches benötigt. Man legt hier den Focus auf Gleichgewicht, Kraft und Ausdauer, dazu kann auch ein Lauf an der frischen Luft gehören, wenn er alleine erfolgt. Die Mülheim Shamrocks bieten an, den Trainingsplan an Interessierte weiterzugeben. Kai sagt richtigerweise: „Wir alle müssen momentan zusammenhalten und an einem Strang ziehen. Dafür sind wir eine Football Familie.“

Auch der Wettkampfgedanke wird berücksichtigt, denn es gibt alle zwei bis drei Tage eine sportliche Challenge. Aktuell läuft bei dem Team eine „Plank hold challenge“. 

Wer weitere Informationen zu den Mülheim Shamrocks sucht – hier haben wir ihre Homepage verlinkt

 

Oliver Jungnitsch für NRW Football

 

Bewertung: 5 / 5

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Die Welt hat sich innerhalb kürzester Zeit verändert. Ein Virus hat das übliche gesellschaftliche Zusammenleben auf den Kopf gestellt und eine verlässliche Planung für die Saison unmöglich gemacht. Gerne würden wir von den Vereinen wissen, was das für Sie bedeutet und sie mit der Situation umgehen. Gerne würden wir von guten Beispielen in düsteren Zeiten berichten. 

Auch American Football leidet unter Covid-19 (Foto: Oliver Jungnitsch)Auch American Football leidet unter Covid-19 (Foto: Oliver Jungnitsch)

Bitte teilt eure ergriffenen Maßnahmen zum Fithalten, Coaching und Teambuilding mit. Wir haben Amercian Footballer immer als eine besondere Gemeinschaft kennen- und schätzen gelernt, deshalb lasst und gemeinsam Mut machen, solidarisch geben und einander helfen. Zeit dürften wir alle haben, es sei denn, ihr gehört den systemrelevanten Berufen an, bei denen wir uns gerne für ihren Einsatz bedanken wollen. Unser besonderer Dank gilt den Mitarbeiter(n)/-innen im Einzelhandel, Güter- und Personenverkehr, medizinischen Bereich und in der Pflege. Bitte sendet eure Beiträge an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!. Bleibt gesund und beachtet die Hygiene- und Verhaltensempfehlungen!

 

Oliver Jungnitsch für NRW Football

 

Bewertung: 5 / 5

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Im letzten Monat feierten die Krefeld Ravens ihren dritten Geburtstag. Für uns wieder einmal ein Grund nach Krefeld zu schauen und einen erneuten Versuch zu unternehmen, um hinter das Geheimnis des Erfolges der Ravens zu kommen. Ihr erstes Training am 04.03.2017 wurde mit 136 Aktiven durchgeführt und hat uns nachhaltig beeindruckt. Ein Grund für den Erfolg ist sicherlich das gute Personal an der Sideline. Nachdem wir im letzten Jahr Bernd Franzen, den Head Coach der Herren als Interviewpartner gewinnen konnten, durften wir jetzt Matthias Karkosch (Koschi) auf den Zahn fühlen. „Koschi“ ist der Head Coach der U19 Mannschaft. 

Matthias Karkosch - Krefeld Ravens American Football  Head Coach U19 & Jugendkoordinator (Foto: Krefeld Ravens)Matthias Karkosch - Krefeld Ravens American Football Head Coach U19 & Jugendkoordinator (Foto: Krefeld Ravens)

Matthias Karkosch hat selbst viele Jahre gespielt, hauptsächlich auf der Position des Quarterbacks. Seine Stationen waren die Duisburg Dockers (2006-2007), Düsseldorf Bulldozer (2008-2009), Bochum Cadets (2010-2011), Langenfeld Longhorns (2012-2014), Schiefbahn Riders (2015) und Mülheim Shamrocks (2016-2017). In 2018 beendete er seine aktive Laufbahn als Spieler bei den Düsseldorf Bulldozer und wurde anschließend bei den Ravens Jugendtrainer. 

Oliver von NRWFootball: Koschi, vielen Dank für deine Zeit und die erneute Gelegenheit uns mit den Krefeld Ravens zu beschäftigen. Wie gesagt, die Ravens sind ein noch sehr junger Verein, der aber schon einiges bewegt hat.  Wie hast du überhaupt den Weg zu den Krefled Ravens gfunden?
Matthias Karkosch (Koschi): Die Entscheidung nach 13 Jahren meine Footballschuhe an den Nagel zu hängen ist mir alles andere als leichtgefallen. Doch für mich war klar, dass ich meine Coaching Karriere starten möchte, deshalb führte ich Gespräche mit einigen Teams aus NRW. Schon in dieser Phase hat mir die Professionalität der Ravens sehr imponiert: Vereinsgründer Dino Volpe nahm sich viel Zeit mich kennenzulernen. Wir führten sehr intensive und konstruktive Gespräche und waren schnell auf einem Nenner. Für mich war es auch sehr reizvoll in einem jungen Verein meine Handschrift hinterlassen zu können. Dass ich ein Jahr später den ersten Jugendtitel der Vereinsgeschichte gewinne und als Jugendkoordinator in Krefeld ein komplettes Jugendprogramm mit- aufbaue, damit hätte ich niemals gerechnet. 
 
Oliver: Wenn ich es richtig recherchiert habe, dann hast du als OC begonnen und wurdest kurze Zeit später Head Coach. Wie kam es dazu? 
Koschi: Ich konzentrierte mich zunächst auf meinen Coordinator Job in der U19 bis wir 3 Tage vor unserem ersten Saisonspiel über den überraschenden Rücktritt des U19 HCs erfuhren. Der Vorstand bot mir dann den Head Coach Posten an. 
 
Oliver: So kann es gehen. Lass uns zunächst einen Blick in das letzte Jahr werfen. Wie war es für dich und warum coachst du die Jugend? 
Koschi: Mein Einstand als frisch gebackener Head Coach verlief alles andere als erfolgreich, wir haben eine deutliche Niederlage kassiert und da wusste ich: Auf mich wartet jetzt viel Arbeit! In meinem ersten Jahr als „Fulltime“ Coach (nur coachen, nicht selbst spielen) hatte ich ein sehr turbulentes Jahr und vielleicht motiviert meine Geschichte sogar junge bzw. neue Coaches, die vor dieser Aufgabe stehen. Mir war es wichtig langfristig zu planen, deshalb unterstützte ich unsere neu formierte U16 und fing an neue Strukturen, Abläufe, Trainingspläne aber auch Kommunikationswege zum Vorstand, den Eltern, Schulen und Co. aufzubauen. Ich konnte 7 neue Coaches davon überzeugen sich unserem Programm anzuschließen, wir alle haben dieselben Ziele- was sehr wichtig ist. Weil ich für verschiedene Organisationen spielen durfte konnte ich sehr schnell positive, aber auch negative Erfahrungen sammeln, wie sich eine Football Philosophie und Coaches auf mich und meine Leistung auswirken. Diese Erfahrungen haben mir ein Bild davon gegeben, wie ich als Coach sein möchte. Für mich war es schon immer etwas Besonderes mit jungen Nachwuchsathleten zusammenzuarbeiten. Die Jugend ist eine sehr wichtige und prägende Zeit für die Zukunft und Entwicklung eines Menschen. Ich bin fest davon überzeugt, dass Football diesbezüglich einen positiven Einfluss hat jungen Kids Werte wie Disziplin, Ehrgeiz, Respekt und Teamgeist zu vermitteln. Wenn sie verstanden haben, dass das nicht nur auf dem Football Feld hilfreich ist, sondern ebenso in ihrem privaten Umfeld: Dann habe ich meinen Job erledigt.  
 
Oliver: Eines sollte man auch noch erwähnen, du bist auch Jugendkoordinator der Ravens. 
Koschi: Ja, stimmt! Das klingt so als sei der Head Coach und Coordinator Posten nicht spannend genug (lach). Die oben genannten Aufgaben hatte ich bereits größtenteils ohne den Jugendkoordinator Titel übernommen, weil ich auch wusste, dass eine gute Jugend Struktur die U19 positiv beeinflusst. Irgendwann wurde ich Jugendkoordinator genannt, ohne es jemals wirklich angestrebt zu haben. 
 
Oliver: Viele Aufgaben! Dabei brauchst Du sicherlich Hilfe. Wer unterstützt dich in der Arbeit?  
Koschi: Mit über 30 Supportern im Hintergrund in diversen Bereichen wie Vorstand, Media, Orga, Medical, Design, Marketing, Team Management, Spielbetrieb oder Merchandise haben wir feste Strukturen und Abläufe. Wenn man bedenkt, dass es die Ravens erst seit 2017 gibt, ist das sehr beachtlich. Die tolle Arbeit, vor allem ehrenamtlich möchte ich an dieser Stelle noch einmal lobend erwähnen. Diese Grundlage gibt mir Sicherheit langfristige Ziele zu setzen. Dino Volpe, der Gründer und Präsident der Ravens hat eine sehr energische Aura, er liebt den Sport und ist sehr versiert in den Dingen, die er tut, das steckt an. Christoph Wittfeld aus dem Vorstand und Marketing, ehem. Office/Staff Mitarbeiter der Cologne Centurions ermöglicht uns dank seiner Erfahrung und Kontakte neue Wege. Viele Namen die ich an dieser Stelle erwähnen könnte. Speziell in der Jugend sind es die Coaches die unsere Philosophie auf die Jungs übertragen und sie zu Football Spielern aus oder weiterbilden. Unsere Team Managerin Monika Capellen ist quasi meine rechte Hand und mit ihrer langjährigen Erfahrung ein wesentliches Element unseres Erfolges. Aber auch das Engagement der Eltern, die jederzeit Ihre Hilfe anbieten sorgt für ein positives Umfeld und am Ende für eine Community die uns zusammenwachsen lässt. 
 
Oliver: Für eine Entwicklung braucht man Vorbilder oder Mentoren. Wer hat dich als Coach am meisten geprägt bzw. beeindruckt? 
Koschi: Ich glaube ich habe mehr als 40 Coaches in meiner aktiven Spielzeit kennengelernt. Bei so einer Anzahl ist eine Bewertung schwierig, weil ich wirklich einige sehr gute Coaches erleben durfte, die mich weitergebracht haben. Trotzdem möchte ich zwei Namen erwähnen, die mich nicht nur sportlich, sondern auch menschlich gefordert, gefördert und an mich geglaubt haben. Jim Yahrling und Yves Thissen. 
 
Oliver: Kenne und schätze ich beide. Yves durfte ich häufiger als HC an der Sideline erleben, wenn ich in Essen zu Gast war und kann es mir bei ihm besonders gut vorstellen. Da du nur von den Besten gelernt hast, kannst du uns zum Abschluß vielleicht noch einen Tipp für die schwierige Aufgabe es Jugendtrainers verraten. Die Aufgabe des Vermittlers zwischen Eltern, Spielern und Verein ist sicherlich keine leichte Aufgabe. Besonders bei der Aufstellung eines guten und erfolgreichen Teams. Was kannst du uns als Tipp mit auf den Weg geben? Und wo sind typische Fallen und wie kann man diese umgehen? 
Koschi: Das ist eine sehr spannende Frage, ich versuche mich kurzufassen (lach). In dem Interview sprechen wir viel über organisatorische oder mentale Inhalte, das zeigt wie breitgefächert der Coach-Job ist. Ein gewisses Football Know-how ist sicherlich eine Voraussetzung, aber auch hier kann man sich reinarbeiten. Sich Ziele zu setzen und Spieler, Coaches, Eltern auf diese Reise mitzunehmen fordert das Teamwork, weil man gemeinsamen an etwas arbeitet. Auch nach Niederlagen oder Misserfolgen sind neue Zielsetzungen wichtig. Ich habe gelernt mich viel selbst zu reflektieren, um für neue Impulse offen zu sein. Der Football entwickelt sich weiter, ich als Coach muss das auch tun. Trotzdem muss man manchmal auch seine Entscheidungen oder Philosophie entgegen Kritikern durchsetzen. Als Coach kannst du nicht immer Everybody‘s Darling sein, daran musste ich mich erstmal gewöhnen. Kinder, insbesondere Jugendliche können unberechenbar sein. Heute finden sie Football cool und morgen möchten sie lieber mit Mädels ausgehen. Ich versuche deswegen nah an den Kids zu sein, viel mit ihnen zu kommunizieren, sie zu verstehen. Stichwort „Empathie“. Sich mit den Eltern austauschen gehört ebenso dazu. Grundsätzlich lege ich viel Wert auf Disziplin: Wir haben feste Regeln an die sich jeder zu halten hat. Wir haben es geschafft einen guten Mix aus Disziplin und Spaß herzustellen, für mich ist das die Grundlage bevor ich überhaupt anfange an Siege oder Meisterschaften zu denken.  

 

Die Fragen für NRW Football stellte Oliver Jungnitsch. Weitere Informationen zu den Krefeld Ravens haben wir hier verlinkt. Die U19 der Krefeld Ravens hat am 05.04.2020 ein Testspiel gegen die Gelsenkirchen Devils. Wir von NRW Football wollen vor Ort sein. Es ist ein Beitrag hierzu geplant.

Oliver für NRW Football

Bewertung: 5 / 5

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Auch im letzten Jahr stellte sich ein Verantwortlicher von den Iserlohn Titans unseren Fragen. In 2019 lief es nicht so gut bei den Titans: Innerhalb des Ligabetriebs mussten sie das Team aus dem Wettbewerb verletzungsbedingt abmelden und stiegen aus der Landesliga ab. Seit Ende 2019 geht es für die Iserlohn Titans wieder aufwärts, denn mit Mike Brown können sie auf einen Head Coach mit fast 30 Jahren Erfahrung im American Football zurückgreifen. Mike war zuletzt über fünf Jahre bei den Gießen Golden Dragons in der GFL2 Süd tätig. Los ging es für Mike Brown in 2015 als WR Coach und in 2016 war er der Passing Game Coordinator. Von 2017 bis 2019 hatte er bei den Dragons den Posten des Defense Coordinators inne. Er spielte auch selber, unter anderem für die Marburg Mercenaries, Wetzlar Wölfe und Gießen Golden Dragons.

Mike Brown (weißes Shirt) beim gemeinsamen Camp mit den Titans im letzten Jahr (Foto: Christian Maxelon)Mike Brown (weißes Shirt) beim gemeinsamen Camp mit den Titans im letzten Jahr (Foto: Christian Maxelon)

Nick von NRW-Football: Mike, du bist mit den Iserlohn Titans durch ein gemeinsames Camp in Kontakt gekommen. Auch bist du kein Unbekannter im American Football, warum wagst du den Ausflug in die 7. Liga?
Mike Brown: Ich sehe eine Menge Potenzial. Felix (Tristan Leo – Mitgründer der Titans) hatte mich gebeten, das Team mal zu begutachten und wir haben uns darauf geeinigt, ein eintägiges Camp nach dem Ende der Season durchzuführen. Ich habe einige Coaches mitgebracht, damit wir uns ein genaues Bild davon machen konnten, womit wir es bei den Titans zu tun haben. Es hat uns eine Menge Spaß gemacht und man konnte wirklich sehen, wie motiviert die Spieler waren. Felix, Tanja und ich haben uns in den darauffolgenden Wochen mehrfach zusammengesetzt.  Ebenso habe ich beim German Bowl noch mit einigen der Spieler sprechen können. Da die Titans erst seit Kurzem existieren, gilt es erstmal, eine Identität zu schaffen. Ich habe eine genaue Vorstellung und der Verein steht hinter dem, was ich erreichen möchte. Der Football lockt eine breite Masse von unterschiedlichen Mentalitäten an. Man lernt schnell, dass man sich hier auf den Anderen verlassen muss. Jeder ist willkommen und kann seinen Teil beitragen. Hier entstehen Freund- und Bekanntschaften, die ein Leben lang halten. Zum Glück ist Iserlohn eine Stadt, die jeder Sportart offensteht: Eishockey, Basketball u.s.w.. Es bedarf einer Menge Rückhalt, um ein Team aufzubauen, dass sich behaupten kann, also ist es ein Muss, eine Stadt hinter sich zu haben, die einem den Rücken stärkt. Unser Management arbeitet seit Monaten hart daran, eine solide Basis für die Zukunft zu schaffen. Ich bin sehr gespannt darauf.
 
Nick: Wer unterstützt dich in der Aufgabe bei den Titans? Was hast du dort vorgefunden und woran arbeitet ihr seitdem?
Mike: Tatsächlich eine sehr schwere Frage, da sich noch alles im Umbruch befindet. Mir sind momentan 12 Leute bekannt, die sich um den Football Aspekt des Teams kümmern, und 8 weitere, die für die Organisation zuständig sind. Viele davon übernehmen mehrere Aufgaben, aber das ist ja im Vereinssport nicht neues. Herrenspieler sind z.B. Jugendtrainer und Sabrina Paul macht das Konditionstraining. Sie ist wirklich eine tolle Ergänzung fürs Team. Frank Weber übernimmt die Position des WR und die des Special Teams Coaches. Es ist immer gut jemanden an Bord zu haben, der von Tag eins dabei ist. Mit David Colvin haben wir jemanden, der genauso passioniert zum Football steht wie ich. Er wird als der OC fungieren. Günther Lange wird mich als Assistent in meiner Rolle als DC unterstützen. Unsere U19 wird von unserem Herrenspieler Kevin Weber gecoached. Die U13 wird von Christian Martello geleitet. Das Frauenteam übernimmt Tyark Lehmüller- ein weiterer Spieler. Das ist ja in Europa auch durchaus üblich, wir müssen versuchen, die bestmöglichen Trainer und Einheiten zur Verfügung zu stellen. Wir versuchen als Team attraktiver zu werden und uns von anderen Vereinen in der Umgebung abzugrenzen, um mehr erfahrene Spieler anzulocken.
 
Nick: Die NRW-Liga (Gruppe Ost) besteht zur Hälfte aus unbekannten Vereinen. Wie beurteilst du insgesamt eure Liga?
Mike: Genau das: Unbekannt! Ich habe bis dato nur in Hessen gecoached, die letzten 3 Jahre in der GFL2. Also gehen meine Gedanken weit auseinander. Wir werden gegen sehr gut vorbereitete Teams antreten, genauso werden wir gegen Teams spielen, die einfach nur auf dem Platz stehen. Es ist meine Aufgabe, meinem Team die Grundlagen des Footballs nahe zu bringen. Sollten wir das schaffen werden unsere Jungs dieses Jahr eine Menge Spaß haben.
 

Nick (mit Ball) beim The Growth of a Game in 2018 mit Mike Bown. An diesem Camp nahmen auch die Iserlohn Titans teil (Foto: Oliver Jungnitsch)Gemeinsames Training von Nick Jungnitsch (mit Ball) beim "The Growth of a Game" in 2018 mit Mike Bown (blaues Oberteil). An diesem Camp nahmen auch die Iserlohn Titans teil (Foto: Oliver Jungnitsch)

Nick: Was sind deine Ziele mit den Iserlohn Titans für 2020? 
Mike: Wir wollen schnellstmöglich nach oben. Dieses Team basiert auf Wettkampf. Unser größtes Ziel ist jetzt erstmals alle unsere Teams auszubauen.
 
Nick: Mike, du selber hast am College der Eastern New Mexico University Erfahrungen im American Football gesammelt. Was ist der größte Unterschied zwischen dem Football in USA und hierzulande? Zusatzfrage: Was muss deiner Meinung noch in Deutschland passieren, damit der American Football auf ein höheres Niveau kommt?
Mike: Das Vereinssystem ist in Europa vorherrschend, anders als in den USA, wo die meisten Sportarten an den Schulen ausgetragen werden.  Als Team müssen wir auf uns aufmerksam machen und mit Footballangeboten direkt an die Schulen herantreten. Die meisten Kinder wissen nämlich gar nichts über Randsportarten wie Football, bei den Eltern ist es oft genauso. Wir müssen das erkennen und dafür sorgen, dass man uns kennt. 
 
Nick: Im letzten Jahr hatten die Titans Verletzungspech und mussten die Saison vorzeitig beenden. Wie zufrieden bist du bisher mit dem aktuellen Kader und dem Leistungsstand der Mannschaft?
Mike: Wir sind auf mehreren Positionen eher dünn besetzt. Dafür haben wir jedoch eine gute Mischung aus denen, die einfach Football spielen, und wahren „Footballspielern“, was an diesem Punkt der Season jedoch normal ist. Im März geht’s mit Pads wieder ins Freie und wir können endlich in Vollkontakt gehen! Ich erwarte zur Season knapp 50 Mann auf dem Roster.

Das Interview führte Nick Jungnitsch für NRW Football mit Mike Brown, dem Head Coach der Iserlohn Titans. Die Antworten wurden aus dem Englischem übersetzt.  Wer weitere Informationen zum Verein sucht, der findet sie hier verlinkt. Auch veranstalten die Iserlohn Titans am 15.02.2020 ein Tryout - hier sind weitere Informationen verlinkt. 

 

Nick für NRW Football

Bewertung: 5 / 5

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Zugeben: Flag Football gehört nicht zu meinen Kernkompetenzen, aber dafür habe ich mir einen Experten für diesen Bereich eingeladen, der meine Lücken ausbessern wird. Es ist der Head Coach der Juniors Flag von den Neuss Gladiators: Mirza Kehonjic-Thiede. Mirza coacht das Juniorteam bereits seit drei Jahren. Begonnen hat er mit fünf Kindern, heute sind es bereits 20 Kinder im Alter von 6 bis 11 Jahren. Bei meiner Recherche habe ich keine Ligen für die Kleinen gefunden, sondern nur Schulteams, die in Turnierform gegeneinander antreten. 

Head Coach der Juniors Flag von den Neuss Gladiators: Mirza Kehonjic-Thiede (Foto: Neuss Gladiators)Head Coach der Juniors Flag von den Neuss Gladiators: Mirza Kehonjic-Thiede (Foto: Neuss Gladiators)

Oliver von NRW Football: Mirza, irgendwie drängt sich mir der Verdacht auf, Junior Flag ist das ungeliebte Kind des American Footballs. Vielleicht beginnen wir mal mit den Basics. Kannst Du uns mal kurz erklären, was der Unterschied zwischen Tackle und Flag Football ist? 
Mirza Kehonjic-Thiede: Flag Football leitet sich vom American Football ab und ist eine Variante des Gridiron Footballs. Der wesentliche Unterschied zum American Football ist, dass die Defense den ballführenden Spieler der Offense stoppt, indem sie ihm ein Flag aus dem Gürtel zieht, statt ihn körperlich zu tackeln - wie im American Football. Das Feld ist in zwei Hälften aufgeteilt und man muss 20 Yards für einen 1st Down zurücklegen. Die letzten 5 Yards vor der Endzone sind die No-Running-Zone, das heißt, dass man innerhalb dieser Zone zu einem Passspiel gezwungen ist.
 
Oliver: Was sind insbesondere für die Kleinen die Vorteile vom Flag Football? 
Mirza: Die Vorteile sind vielfältig. Zum Einem besteht der Vorteil eines breiten Angebots. Man erreicht auch Kinder, die nicht tacklen wollen oder gesundheitlich nicht tackeln können oder die einfach die Erlaubnis der Eltern dazu nicht erhalten. Die Verletzungsgefahr im Flag ist erheblich geringer als im Tackle Football. Es stellt somit einen guten Kompromiss dar. Zum Anderem ist da natürlich der finanzielle Aspekt. Man braucht als Ausrüstung lediglich einen Ball, Laufschuhe und Flaggen. Das Angebot ist also niederschwelliger und kostengünstiger. Das kann für Vereine interessant sein, weil sie dadurch breitere Schichten der Jugend deutlich früher an sich binden können. Mirza Kehonjic-Thiede beim Training mit seinem Team (Foto: Neuss Gladiators) Mirza Kehonjic-Thiede beim Training mit seinem Team (Foto: Neuss Gladiators)
 
Oliver: Bei euch in Neuss fangt ihr mit 6 Jahren an, in anderen Sportarten gibt es ein Angebot für noch jüngere. Warum beginnt ihr nicht früher mit dem Training oder macht ihr Ausnahmen? 
Mirza: Das Alter 6 Jahre ist ein Erfahrungswert, welchen wir im Coaching-Staff gemacht haben. Wir haben in den ersten beiden Jahren Kooperationen mit Kitas gehabt und haben dort als Kita-AG agiert. Es stellte sich heraus, dass die Drills, wie wir sie im Flag Football ausführen, doch nur von Kita-„Seniors“ über die gesamte Trainingslänge aufmerksam ausgeführt wurden. Wir halten die Altersgrenze aber nicht starr ein. Wenn wir sehen, dass die Kinder im Alter von 4 oder 5 Jahren auch mithalten können und Spaß haben, dann nehmen wir sie herzlich gerne auf. Zwei unserer Mitglieder sind jünger als sechs Jahre.
 
Oliver: Wie muss ich mir ein Training vorstellen und wer unterschützt dich in deiner Arbeit?
Mirza: Ich habe ein Staff von drei weiteren Coaches und einer Teammanagerin. Wir sind bunt gemischt, was den Vorteil hat, alles aus mehreren Perspektiven durchleuchten zu können. Mein OC ist ehemaliger Jugend-Deutscher-Meister mit den Panthern. Er gewann in den Staaten mit seinem Team den State-Championsship. Die Assistenten sind ein ehemaliger U16-Gladiator und ein Vater, der das Coaching erlernen möchte. Das Training ist ähnlich aufgebaut wie im Tackle-Football. Warm-Up, Indies, Spiel. Wir legen größere Gewichtung auf das Spiel, damit die Kinder nicht die Aufmerksamkeit und den Spaß verlieren. Die hohe Trainingsbeteiligung und zum Teil lange Anreisen scheinen uns Recht zu geben. Die Eltern und Kinder reisen zum Teil bis zu 45 Minuten zum Training an.
 
Oliver: Hut ab! Im Vorgespräch sagtest du mir, dass Ihr die Grundschule des American Footballs seid. Ich denke, das beschreibt es sehr passend. Aber was passiert, wenn die Kinder 12 Jahre werden? 
Mirza: Die Kinder werden im Football so gut wie möglich ausgebildet, so dass sie danach entweder im Tackle oder im Flag spielen können. Das ist eine Wahl, die die Kinder mit ihren Eltern treffen müssen. Wir können sie nur beraten und auf ihrem weiteren Weg begleiten. Wir sind als U7 gestartet und haben schnell erkannt, dass es mit dem 7. Geburtstag nicht enden soll. Die Gladiators befinden sich auch hier im Aufbau. In der Planung ist es Flag Football für jede Altersgruppe anzubieten.
 
Oliver: Mirza, gibt es Ligen für die Junior Flags oder nur Freundschaftsspiele?
Mirza: Das erste Freundschaftsspiel ist tatsächlich über eure Facebook Gruppe „NRW-Football“ zustande gekommen. Ich habe eine Anfrage geschrieben und wir trafen uns dann mit den Mönchengladbach Wolfpacks. Weitere Spiele sind in Planung. Eine Liga gibt es leider nicht, wäre aber sehr wünschenswert.
 
Oliver: Das denke ich auch. Wie wird der Sport vom Verein und Verband unterstützt oder gefördert? 
Mirza: Über den Verein bekommen wir die Sportplätze und Ausrüstung, die wir für ein vernünftiges Training bzw. eine sportliche Entwicklung der Kids benötigen.
 
Oliver: Was wünscht Du dir für die Zukunft des Junior Flags?
Mirza: Ich denke aufgrund der Nachwuchsschwierigkeiten, die alle Vereine sportübergreifend haben, wäre es ratsam über ein Flag-Team ein frühes und kostengünstiges Angebot anzubieten. Kita AG, Grundschulen AG, eigene Liga. Das alles! Am besten über den Verband gesteuert, damit alle Vereine auf eine zentrale Stelle mit dem gesamten Know-How zurückgreifen können.

Oliver: Hoffentlich liest dieses Interview jemand vom Verband und nimmt sich dieser Sache an. Für mich ergibt es Sinn, mit Junior Flag zu starten, gerade wenn ich an die Eltern denke und die große Konkurrenz seitens des Fußballs. Hier gibt es die Bambini Ligen, die Kinder weit unter 7 Jahren aufnehmen und häufig somit frühzeitig an sich binden. Mirza, vielen Dank für deine Ausführungen und Erläuterungen, jetzt habe ich eine andere Sicht auf den Flag Football erhalten. Alles Gute für euch!

Mirza: Vielen Dank für alles und bis bald!

Das Interview führte Oliver Jungnitsch für NRW Football mit dem Head Coach der Juniors Flag von den Neuss Gladiators: Mirza Kehonjic-Thiede. Wer weitere Informationen zum Verein sucht, der findet sie hier verlinkt. Solltet ihr euch für das Team und den Junior Flag interessieren, dann nehmt einfachDiese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!. Er freut sich!

 

Oliver Jungnitsch für NRW Football

Bewertung: 5 / 5

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Was nur wenige wissen: Den Bonn Gamecocks verdanken wir persönlich sehr viel. Am 02.05.2015 haben Nick und ich unser erstes Spiel gemeinsam fotografiert. Dabei war es zunächst nicht so geplant, denn eigentlich wollte ich den Klassiker in der GFL2: Bonn Gamecocks gegen die Bielefeld Bulldogs fotografieren. Damit Nick auch mit an die Sideline konnte, machten sie uns den Vorschlag:“ ...wir hängen Nick einfach eine Kamera um.“ Der Rest ist Geschichte. Das Spiel hat uns beide begeistert, denn es war eines der spannendsten Spiele überhaupt, an deren Ende ein 35:35 stand. Mittlerweile ist viel passiert: So ist das Herrenteam vor zwei Jahren aus der GFL2 abgestiegen und befindet sich seitdem im Umbruch. In der Vereinsführung sind Veränderungen vollzogen worden. Für uns eine gute Gelegenheit, sich ausgiebig mit den Gamecocks zu beschäftigen. Marcus Gastmann, den ersten Vorsitzenden der Bonner, konnten wir für ein Interview gewinnen. Marcus ist darüber hinaus auch Stadionsprecher und spielte American Football in der Zeit von 2003 bis 2004. Hiernach ging er vom Feld an die Sideline. Fortan war er als Coach tätig. Diese Aufgabe führte er bis 2011 aus und coachte er bis in der GFL2.

Marcus Gastmann - Bildmitte (Foto: Oliver Jungnitsch)Marcus Gastmann (Bildmitte) beim letzten Spiel der Herrenmannschaft in 2019.  (Foto: Oliver Jungnitsch)

Oliver von NRW Football: Marcus, vielen Dank für deine Zeit, dann lass uns mal beginnen. In der Recherche zu unserem Gespräch habe ich folgendes herausgefunden: Bonn ist die größte deutsche Stadt, aus der noch nie ein Verein in der Fußballbundesliga spielte. Wenn man als Ortsfremder an amerikanische Sportarten und Bonn denkt, dann fällt einem zunächst der Basketball ein. Wie bist Du zum American Football gekommen?
Marcus Gastmann: Jetzt muss ich direkt zu Beginn schonmal reingrätschen – Vorreiter für amerikanischen Sport sind in Bonn tatsächlich die Baseball-Spieler der Bonn Capitals, die eingerahmt von zwei Vizemeisterschaften 2018 Deutscher Meister geworden sind. Die sind also die verdienten Platzhirsche im Bonn. Ich selber habe früher viel NFL und NFLEurope geschaut bzw. hatte Dauerkarten für Rhein Fire, und dann probiert man es halt selber aus. Erst an der Uni Köln, und dann bei den Gamecocks, als sie gerade 2003 wieder in den Spielbetrieb eingestiegen sind. Ansonsten bin ich auch noch ein wenig bei den Fußballern vom Bonner SC tätig, auch wenn der Aufstieg in die Bundesliga sicherlich noch etwas dauern wird.

Oliver: Meines Wissens spielt der Bonner SC, wie ihr, in der Regionalliga. ... und ich habe wieder etwas gelernt, denn die Bonn Capitals kannte ich nicht. Zurück zum Football: Lange Zeit war von den Bonn Gamecocks wenig zu lesen, so war die Homepage längere Zeit nicht gepflegt. Mit dem letzten Heimspiel ist sie wieder in Betrieb genommen worden. Mir ist seitdem eure Aktion „#WirSindDieGamecocks“ positiv aufgefallen. Wie ist die Aktion entstanden und was ist euer Ziel beziehungsweise eure Absicht damit?

Marcus: Die Homepage hatte sich leider ein wenig zum negativen Running Gag entwickelt, und dann kam auch noch die DSGVO dazu – das war nicht einfach. Außendarstellung ist einfach für jeden Verein wichtig, und die haben wir jetzt wieder erreicht, wie ich finde. #WirSindDieGamecocks ist eigentlich ganz einfach. Wie es auch in einigen Bereichen des öffentlichen Lebens passiert, ist der Verein in den letzten Jahren trotz hohem Einsatz der Verantwortlichen etwas in eine „Nehmermentalität“ abgerutscht, und das gemeinsame Vereinsleben hat schon etwas gelitten. Das wollten wir wiederaufleben lassen, und was gibt es schöneres als ehrenamtliche Gamecocks vorzustellen, die mit viel Lust und Einsatz für den Verein in ihrer Freizeit tätig sind. Ich arbeite lieber mit positiven Beispielen und motivierten Menschen als mit leeren Versprechungen, und dazu passt die Kampagne.

Oliver: Da kann ich dir nur beipflichten! Ein Verein lebt von den ehrenamtlichen Helfern. Bei euch ist aber fast alles im Umbruch, so gibt es Veränderungen in der Organisation und Struktur, bei der Spielstätte und eine 84339758 2253531938277386 3902725791330336768 nMarcus Gastmann von den Bonn Gamecocks (Foto: Privat)sportliche Neuausrichtung. Lass uns alles einmal einzeln betrachten und mit der Struktur beginnen. Was hat sich geändert und warum war es notwendig?
Marcus: Wir haben in den letzten Jahren gemerkt, dass die Verantwortung auf zu wenigen Schultern gelegen hat. Das führt dann irgendwann zu einer Überlastung und Stillstand in einigen Bereichen, trotz hohem Einsatz der Beteiligten. Wir sind da auch auf keinen böse, aber es war einfach eine Abwärtsspirale, die sich kaum aufhalten ließ. Eine Firma mit 300 Angestellten wird auch nicht von zwei, drei Leuten betreut, und so geht es auch nicht in Sportvereinen – denn so groß sind wir. Dadurch reifte jetzt der Plan, deutlich mehr Menschen in die Verantwortung zu nehmen, die dann je nach Motivation und Kompetenz einzelne Aufgaben übernehmen. Für den durchaus komplexen Bereich „Datenschutz/DSGVO“ haben wir zum Beispiel gerade frisch zwei ehemalige Gamecocks-Spieler gewinnen können, die dienstlich mit dem Thema arbeiten und uns punktuell unterstützen können. Klar kenne ich das Thema auch und kann bzw. muss mich natürlich etwas einlesen, aber wenn ich es an Experten delegieren kann, macht es meinen Job natürlich einfacher. Und ich kann auch als Fan oder Elternteil dem Verein helfen, auch wenn ich vom Football wenig Ahnung habe – nicht jeder muss direkt Coach werden, um seinen lokalen Lieblingsverein zu unterstützen.
 
Oliver: Für mich ist Bonn leider etwas weit entfernt, aber welche „Jobs“ könnte ich bei euch antreten, wenn ich z.B. Football-Fan, ehemaliger Spieler oder Elternteil bin und helfen möchte, aber nicht unbedingt zum Coach tauge? 
Marcus: Wir suchen alles und jeden: vom Pädagogen oder Berufsberater für unsere Jugendspieler auf der Schwelle in die Arbeitswelt, Grafikdesigner die Spaß an Gestaltung haben, einen Integrationsbeauftragten für die Integrationsarbeit im Verein, einen Marketing-Manager, Sponsorbeauftragten, Chronisten, Teammanager, fleißige Helfer für die Coaches, Social Media-Betreuer, Fotografen, Homepage-Administrator … und noch viel viel mehr. Das sind dann alles in allem natürlich Themen, die im Vorstand angesiedelt sind, aber wo sich nicht immer die gleichen zwei, drei Leute den Kopf drüber zerbrechen müssen. So kann sich jeder einbringen, und wenn jemand mit spannenden neuen Themengebieten kommt und den Verein unterstützen will, dann hören wir gerne zu. ESports? Karnevalszug? Umweltbewusstsein und Nachhaltigkeit? Wer sich einbringt, ist willkommen. Geht auf unsere Homepage: www.gamecocks.de und sucht euch etwas aus.
 
Oliver: Das klingt durchaus ambitioniert, aber so etwas geht nicht von heute auf morgen.

Marcus: Nein, auf keinen Fall, trotz aller positiver Stimmung die gerade herrscht. Aber wenn es nach mir geht, gehen wir Anfang 2022 mit einer nachhaltigen Organisation in die Saison, und können uns dann auch wieder sportlich ambitionierte Ziele setzen. Und wenn wir bis dahin noch keinen Fanbeauftragen haben, der sich um ein Rahmenprogramm bei Heimspielen kümmert, dann gibt’s halt im Stadion nicht viel außer gutem Football; und wenn bis dahin kein Chronist am Start ist, bleibt der Wikipedia-Eintrag halt so wie er ist, bis ich ggf. Zeit zum Aktualisieren finde. Das Ganze läuft sehr transparent, so dass wir alle wissen, wo unser Verein steht - und jeder kann mitmachen.
 
Oliver: Du hast mir gerade ein gutes Stichwort gegeben: guter Football. Wie bewertest Du die abgelaufene Saison? 
Marcus: Soweit, so gut. Die Herren hatten im Laufe der Saison verletzungsbedingt etwas Schwierigkeiten, haben sich aber berappelt und mit viel Einsatz die letzten Partien bestritten. Die Mannschaft ist wahnsinnig jung, wird die nächsten 1-2 Jahre noch deutlich reifen, um dann irgendwann auch wieder höhere Ziele anzustreben. Das passt alles zum langfristigen Zeitplan des Vereines.
 
Oliver: Die U19 startete in der GFLJ, der höchsten Spielklasse der Jugend. Wie lief es hier?
Marcus: Die U19 hatte ein hartes Jahr, da das Niveau in der Junior GFL wahnsinnig hoch ist. Mit den Crocodiles, Düsseldorf wie auch Paderborn sind Teams mit tollen Jugendkonzepten am Start, mit denen wir aktuell nicht mithalten konnten, weder organisatorisch noch finanziell. Es war aber bewundernswert, mit welchem Einsatz und welcher Hingabe die Spieler wie auch die Coaches gearbeitet haben, und wir gehen mit erhobenem Haupt eine Liga tiefer und holen neuen Schwung.
 
Oliver: Die Bonn Gamecocks haben auch noch jüngere Spieler. Was gibt es hier zu berichten?
Marcus: Die U16 hatte eine gute und ausgeglichene Saison, und wir konnten viele talentierte Spieler zu Auswahlmannschaften bis hin zur Nationalmannschaft entsenden. Das zeigt, dass wir Talente gut ausbilden, auch wenn wir nicht immer in der obersten Liga mitspielen. Diesen positiven Trend nehmen wir gerade in der U16 gerne mit. Und die U13 hatte ein sehr erfolgreiches Jahr, und musste sich erst am letzten Spieltag von Platz 1 verdrängen lassen. Die U13 bauen wir nächstes Jahr aber quasi neu auf, da die Mannschaft im letzten Jahr fast komplett aus dem ältesten Jahrgang bestand. Daher gibt es 2020 eine tolle Kooperation mit den befreundeten Rheidter Black Ravens, mit denen wir eine Spielgemeinschaft bilden. Und besondere stolz und froh bin ich dieses Jahr auch über unsere Anzahl an Coaches. Ich kann es nicht ganz zu 100% beweisen, bin mir aber ziemlich sicher, dass wir mit einer Anzahl von zwei Dutzend Coaches in der Jugend und im Seniorenbereich einen Rekord für die Gamecocks aufstellen können.
 
Oliver: In dieser Saison gibt es noch ein weiteres Team und damit habt ihr zumindest mich überrascht. 
Marcus: Ohja, die Bonn Gamecocks Ladies haben für eine große Überraschung gesorgt, und wir freuen uns, eine fast fertige Mannschaft im Verein begrüßen zu können. Es wird 2020 für den Spielbetrieb noch nicht reichen, wir sind aber mit den Gamecocks gut mit anderen Damenteams vernetzt und hoffen neben guten Training einige Events anbieten können. Herren-Teams gibt es in der Region inzwischen auch sehr viele, Damenteams aber südlich von Köln erstmal kaum. Das wollen wir natürlich nutzen und schauen mal, wie weit wir in den nächsten 1-2 Jahren kommen. Wichtig wäre hier der Zugang von Coaches, die ausschließlich für die Ladies zuständig sind – bitte gerne melden.
 
Oliver: In der Vergangenheit gab es auch eine Abteilung für das Cheerleading. Wird das die nächste Überraschung sein?
Marcus: Die Cheerleader sind noch ein anderes Thema, und wir verfolgen den Erfolg unserer alten Truppe, die inzwischen bei Deutschen Meisterschaften starten, immer noch. Hier gilt der oben schon gesagte Grundsatz: Wir suchen natürlich Leute, die sich dem Thema annehmen wollen, aber gerade das ist ein Thema, was man unbedingt mit guter Organisation und viel Einsatz angehen muss. Und solange das nicht der Fall ist, haben wir halt keine eigene Truppe – allerdings kann es dieses Jahr zu Gastauftritten in der Saison kommen, von daher ist das Thema nicht weit weg. Solange unser Stadion noch im Umbau ist, müssen wir auch unsere Events wahrscheinlich etwas runterschrauben müssen.
 
Oliver: Das Stadion Pennenfeld wird aktuell umgebaut. Gibt es da schon neue Informationen? 
Marcus: Unser Pennenfeld wird seit Sommer 2019 umgebaut und verkleinert. Die Tribüne bleibt, es wird grüner als vorher, und mit einer modernen Laufbahn und neuem Rasen wird es sicherlich schön werden – ein Flutlicht kann auch einiges an Qualität bringen. Solange spielen wir bis zu den Sommerferien in der alten Heimat, im Wasserlandstadion, und sind bei unseren neuen Freunden von Fortuna Bonn zu Gast. Idealerweise starten wir dann in die Rückrunde nach den Ferien wieder in der Heimat, wenn baulich nichts dazwischen kommt.
 
Oliver: Nordrhein-Westfalen ist ein Ballungsraum für Footballvereine, besonders auch in Bonn und Umgebung. Was macht die Bonn Gamecocks besonders und warum sollte ich mich für euch entscheiden?
Marcus: Eine schwierige Frage, denn unsere Vereinsvision werden wir in den nächsten 1-2 Jahren auch neu schärfen müssen. Ein familiäres Umfeld war uns als Verein immer wichtig, und das wird auch so bleiben. Wenn Herrenspieler sich wohlfühlen, Coaches gerne an der Seitenlinie stehen, Jugendspieler stolz auf den Verein sind, Eltern sich beteiligen können und ehemalige Spieler aus 32 Jahren Gamecocks-Erfahrung sich einbringen wollen, um unseren (!) Verein weiter zu bringen, dann haben wir einiges erreicht und können stolz auf unser Ergebnis sein. Das ist so meine persönliche Vision, dass unsere Mitglieder sagen: „Ja, das ist MEIN Verein. Ich bin ein Gamecock, wir sind die Gamecocks“.

Oliver: Wir sind auch irgendwie Gamecocks, zumindest im Herzen. Vielen Dank für die ausführlichen und ehrlichen Antworten. Wir werden uns sicherlich in diesem Jahr auf und um das  Gridiron sehen.  

Das Interview mit Marcus Gastmann, dem 1. Vorsitzenden der Bonn Gamecocks führte Oliver Jungnitsch von NRW Football. Wer weitere Informationen über den Verein sucht findet sie auf der Homepage: www.gamecocks.de oder auf Facebook: https://www.facebook.com/BonnGamecocks/.

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